Internationalismus

von Magda Sorger-Domenigg

 

Ihr seid herzlich eingeladen zu dem Seminar mit Bernard Seynhaeve und Gil Caroz am 1. und 2. März zu kommen.

 

B. Seynhaeve (Lille) ist Präsident der New Lacanian School und wird die nächsten zwei Jahre die zentralen Themen und Forschungsrichtungen der NLS maßgeblich mitbestimmen. Gil Caroz (Brüssel) ist Präsident der Ecole de la Cause Freudienne.

 

Das Neue Lacan’sche Feld Österreich ist seit einem Jahr eine Initiative der NLS (heißt jetzt auch NLFÖ – Initiative Wien) und daher sind die Schwerpunkte, die in der NLS gesetzt werden, interessant und relevant für uns. Da ich die Psychoanalyse als strukturell – politisch verstehe (‚Das Unbewusste ist das Politische‘), sehe ich die Gelegenheit B. Seynhaeve hier in Wien begrüßen zu können und ihn hier zu hören als einmalige Gelegenheit, mich in einem internationalen klinischen Diskurs sowohl psychoanalytisch als auch politisch zu orientieren und zu verankern. 

 

Gerade in Zeiten wie diesen und mit einer Regierung wie dieser, finde ich es ungeheuer wichtig an einem internationalen Diskurs teilhaben zu können. 

 

Die sehr intensiv – man kann auch sagen – dringlich vorangetriebene und in der Initiative Wien gelungene Anbindung des NLFÖ an eine internationale AnalytikerInnengemeinschaft entspringt (meiner Meinung nach) nicht nur der Notwendigkeit und dem Bedarf nach LehrerInnen. Eine internationale Organisation entspricht auch einer strukturellen Notwendigkeit. So wie Freud das gezeigt hat, ist das individuelle Unbewusste nicht ohne das gesellschaftliche und kulturelle Umfeld denkbar. Individualpsychologie ist immer auch Sozialpsychologie.  Und was mir auch sehr wichtig erscheint: ein soziales Band muss von zwei Seiten her geknüpft werden. Die NLS und Bernard Seynhaeve bieten uns diese Möglichkeit des Diskurses an: Also kommt und knüpft!

 

Um aus den heuer zahlreichen Seminaren fruchtbringende Begegnungen zu gestalten lade ich Euch sehr herzlich zur Beteiligung, zu Fragen, zu Kommentaren und Austausch in diesem board-intern ein.  

 

12. Jänner 2019

...Aus der Vorbereitungsgruppe

Eine subjektive Auswahl von Magda Sorger-Domenigg, in Zusammenarbeit mit Claudia Schmidjörg-Leber, Jänner 2019

Ein neues Jahr hat begonnen und das Neue Lacan’sche Feld Österreich wird heuer 10 Jahre alt. 

Die aus meiner Sicht wichtigste Änderung des letzten Jahres war, dass Avi sich aus der Position der Leitung des Lacanfeldes zurückgezogen hat und diese Agenden an das Bureau: Elisabeth Müllner, Norbert Leber, Andreas Steininger und Markus Zöchmeister übergeben hat. In dieser Zusammensetzung wird das Bureau für zwei Jahre arbeiten Avi hat weiterhin beratende Funktion und ist weiterhin verantwortlich für die Arbeit, die das Lacanfeld an die NLS anbindet. Das sind konkret die VPS-Seminare und die Zadig-Wien und Humanismus an der Wien – Veranstaltungen. Im Frühjahr 2018 wurden wir von der NLS als Initiative Wien benannt, was eine gewisse Einschreibung – wenngleich nicht als Mitglied – in der NLS bedeutet; ein Status, der sowohl die Möglichkeit in Richtung Mitgliedschaft in sich birgt als auch die Möglichkeit wieder ganz rauszufallen aus der NLS. 

Die Benennung als Initiative hat zur Folge, dass wir nicht mehr nur als lokale Bewegung fungieren, sondern unser Handeln auch gewisse Effekte auf die NLS hat. Neues Lacan’sches Feld Österreich – Initiative Wien, dieser neue Name bezeichnet einen Status, den es bisher in der NLS noch nicht gab und mit dem Jacques-Alain Miller bzw. auch die vorige Präsidentin der NLS, Lilia Mahjoub auf die Arbeit des Lacanfeldes geantwortet haben.

Ich möchte an dieser Stelle gerne die zentrale Bedeutung der Anbindung an eine internationale AnalytikerInnengemeinschaft vermitteln. Das ist das Hauptanliegen, die Hauptsache der Arbeit der Vorbereitungsgruppe und mittlerweile glücklicherweise auch größtenteils umgesetzt in den Veranstaltungen – seien es die VPS-Seminare, das Zadig- Wien Forum von September 2017 oder das kommende am 6. April 2019. 

In diesen beiden Foren wird das Thema des Dazugehörens und des Ausgeschlossen-seins angesprochen. 

Miller (1985) schreibt in seinem Text ‚Extimate Enemies‘ „Das Subjekt als solches, definiert durch seinen Platz im Anderen, ist ein Immigrant. Für das Subjekt (des Unbewussten) ist dieses Ausland das Land seiner Geburt. Es ist also weiter nicht ohne Signifikanz, dass die Psychoanalyse von jemandem erfunden wurde, der eine intrinsische Beziehung mit dem Status des Fremden hatte, mit dem Status von sozialer Extimität." 

Was Avi und auch Gil, wenn er da war, in der Vorbereitungsgruppe immer wieder vermittelt haben, ist, dass ‚dazugehören‘ nicht vom Anderen gegeben wird, sondern nur durch die eigene Initiative, die eigene Anstrengung und Arbeit – die eigene libidinöse Besetzung –erreicht wird. Was für mich auch heißt, dass die Psychoanalyse nichts ist, was ich mir irgendwo nehmen oder gar bekommen kann und dann für mich, habe, sondern nur in der Zusammenarbeit in Cartels, in Seminaren usw., also in einem klinischen Diskurs immer wieder neu geschaffen wird / werden muss. Dazu brauchen wir den /die anderen.

Gelegenheit dazu gibt es am:

25. und 26. Jänner 2019 im VPS Seminar zum Seminar V: Die Bildungen des Unbewussten.

Am 1. und 2. März 2019 kommen Bernard Seynhaeve und Gil Caroz zu einem Klinischen Studientag ‚Dringend‘ nach Wien. 

B. Seynhaeve ist der Präsident der NLS (nach Lilia Mahjoub) und Gil Caroz der Präsident der Ecole de la cause freudienne. In ihrer Funktion bestimmen sie maßgeblich die Ausrichtung des Diskurses in der Schule. Dringend anzuhören!

Der Feldabend am 15. März 2019 wird sich auf das Forum am 6. April konzentrieren. Beginn des Feldabends dieses Mal schon um 19.30!

Und das Forum Zadig-Wien: Wir alle sind Exilanten! am 6.April 2019

 


Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    irene steinlechner (Sonntag, 13 Januar 2019 20:30)

    Liebe Magda, liebe Claudia,
    danke für eure Initiative, diese Verbindungsarbeit zu leisten.
    Den Text finde ich klug, weil das Herstellen der Psychoanalyse, des Feldes artikuliert wird.
    Ich hoffe es wird regen Austausch geben.
    lG von Irene