GRÜNDUNGSERKLÄRUNG DES NEUEN LACANSCHEN FELDS ÖSTERREICH 2009

Im Herbst 2009 ist von Analytikern, die sich in ihrer Arbeit an der Lehre Sigmund Freuds und Jacques Lacans orientieren, das Neue Lacansche Feld in Österreich gegründet worden.

 

Die Mitglieder des Feldes setzen sich zum Ziel, der Psychoanalyse und ihrer Klinik im Sinne Sigmund Freuds und Jacques Lacans einen weiteren Raum im österreichischen therapeutischen und psychoanalytischen Diskurs zu schaffen. Sie möchten Interessierten die Bekanntschaft mit der psychoanalytischen Ethik eröffnen und den Mitgliedern einen Raum schaffen, in dem sie sich mit Theorie und Klinik auseinandersetzen und gegebenenfalls für ihre persönliche Bildung zum/r Analytiker/in nutzen können. - Wir stützen uns dabei u. a. auf die von Eric Laurent 2004 verfassten „Leitende Prinzipien für jeden psychoanalytischen Akt“.

 

Der analytische Diskurs wurde in Österreich durch den Nationalsozialismus physisch zerstört und ethisch auf eine Art verseucht, die bis heute nachwirkt – wir wollen einen weiteren Beitrag zu seiner Wiederherstellung leisten.

 

Diese Aufgabe erscheint uns wichtig in Zeiten, in denen den in und an ihrer Seele Leidenden immer mehr „Lösungen“ angeboten werden, die zu einer Stilllegung des Sprechens und ihrer Subjektivität führen, die das Unbewusste ignorieren, die Illusion eines nicht mangelhaften Glücks suggerieren und eine bloße Anpassung an das gesellschaftliche Funktionieren im Sinne des Marktes zum Ziel haben und so den Menschen ein weiteres Mal auf ein Tauschobjekt reduzieren.

 

Diese Gründung ist ein Versuch, die etablierten Formen der psychoanalytischen Bildung zu öffnen. Wir intendieren weniger Verwaltung von gesichertem Wissen, vielmehr Raum und Zeit für die Bildungen des Unbewussten, die nie zu kontrollieren sind, zu schaffen.

 

Diese Prinzipien sind uns bei unserem Projekt eine ethische Vorgabe, da es keine von vorneherein vorgegebenen festen Strukturen hat. Diese werden sich erst nachträglich durch die gemeinsame Arbeit in dieser Werkstätte ergeben und auch dann einer andauernden Wandlung unterzogen.

 

Wir möchten diese Bestrebungen - wenn möglich in Kooperation mit anderen Kräften in Österreich, die schon in diese Richtung wirken (Neue Wiener Gruppe/Lacan Schule, stuzzicadenti, Lacan-Archiv Bregenz) und mit entsprechenden Initiativen im Ausland  (z. B. Psychoanalytisches Kolleg und AFP in Deutschland; Institut des Freudianischen Felds NLS in Frankreich; dor-a-GIEP in Israel) – fördern, wobei unser Schwerpunkt die Betonung des klinischen Feldes sein wird.

 

Wir laden diejenigen, die an diesem Projekt in irgend einer Weise teilnehmen wollen, ein, sich einzuschreiben.

 

 

     Avi Rybnicki                                                                                       Gerhard Zenaty